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Mit Hilfe von Groupware können Manager in
Sitzungen rascher Ideen finden, Probleme lösen und Entscheidungen treffen. Ein Werkzeug
dafür ist Group Systems. Es bestand seinen
Praxistest in Sitzungen an der University of Arizona in Tucson und im
Einsatz an der
Universität Hohenheim bei Stuttgart. Das Groupwaresystem wurde für die
Unterstützung von Sitzungen in computerisierten Konferenzräumen an der
University of Arizona in Tucson (USA) entwickelt.

Manager
verbringen einen grossen Teil ihrer Arbeitszeit in Sitzungen. Im weiten
Sinne kann dabei unter einer Sitzung das zeitgleiche Zusammentreffen von
zwei und mehr Personen zur gemeinsamen
Bewältigung einer Arbeitsaufgabe unabhängig von der örtlichen
Verteilung der Teilnehmer angesehen werden.
In Sitzungen geht es um das gemeinsame Lösen von
Problemen, das Finden von Ideen, das Treffen von
Entscheidungen oder die gegenseitige Information und Abstimmung.
Allerdings sind sie nicht immer so produktiv, wie sie sein könnten. Sitzungen
dauern nach Meinungen der Manager im allgemeinen
zu lange, die Redner kommen nicht zur Sache oder man verliert viel Zeit,
weil
man Informationen erhält, die man schon kennt oder gar nicht benötigt.
Schwierigkeiten bereiten ausserdem das Fehlen klarer Zielsetzungen, das Fehlen
einer Tagesordnung sowie die Abwesenheit oder
mangelnde Beteiligung wichtiger Sitzungsteilnehmer.
Letzteres
kann dadurch verursacht werden, dass die Teilnehmer besorgt darüber
sind, wie ihre Auffassungen von der Gruppe aufgenommen werden, oder dass
sie in einer von dominanten Einzelpersonen beherrschten Diskussion nicht
zu Wort kommen. Als Komplikationen kommen oft ein verstecktes Gerangel
um machtpolitische Positionen, die mangelnde Übereinstimmung zwischen
Sitzungsprotokoll und tatsächlich diskutierten Aspekten, die Tendenz zu
riskanteren Entscheidungen aufgrund der Verantwortungsteilung und ein
Konformitätsdruck hinzu, der die Kreativität beeinträchtigt und ''Gruppendenken''
(Groupthink) verursacht.
Groupware für Sitzungen
Mit einer
Vielzahl von Groupwaresystemen wird heute versucht, die Zusammenarbeit
mehrerer Personen inhaltlich und prozessorientiert unter Nutzung
moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zu verbessern.
Repräsentativ für Systeme, die speziell beim zeitgleichen Treffen
eines Teams einsetzbar sind und für einige typische Sitzungsaktivitäten
einschliesslich der Gruppenentscheidungsunterstützung in
Forschungslaboratorien entwickelt wurden, sind Group Systems (University
of Arizona), Colab (Xerox PARC) und SAMM (University of Minnesota).
Inzwischen sind eine ganze Reihe weiterer Systeme verfügbar, die zum
Teil ihren Ursprung ebenfalls in Forschungslaboratorien haben. Hierzu
sind vor allem Clarity, Lotus Notes, Meeting Ware, Omniquest und
Together zu zählen.
Ausserdem gibt es auf dem Markt Software, mit der sich speziell
die gemeinsame Ideenfindung in Sitzungen unterstützen lässt, zum
Beispiel Brainstormer, the Idea Generator Plus, Ideafisher oder
Thoughtline. Zur Anwendung kommen strukturierte Verfahren wie zum
Beispiel ''Brainstorming'' oder die ''Nominal Group Technique''.
Group
Systems hebt sich aus den sonstigen Systemen vor allem dadurch hervor,
dass mit ihm die umfassende Unterstützung der Durchführung von
Meetings angestrebt wird, einschliesslich ihrer Vor- und Nachbereitung.
Alle genannten Systeme haben gemeinsam, dass sie Ansatzpunkte bieten,
mit denen die zuvor erwähnten Probleme von Sitzungen verringert werden
können und das positive Potential der Zusammenarbeit in Sitzungen
besser ausgeschöpft werden kann, so dass sich insgesamt eine höhere
Produktivität erzielen lässt.
Group Systems
Group
Systems wurde an der University of Arizona in Tucson (USA) aus der früheren
Plexsys-Forschung her aus- entwickelt. Die Software- Komponente wird
nunmehr vom Technologietransferzentrum
der Universität, der Ventana Corporation, angeboten. IBM hat den
Vertrieb für kommerzielle Nutzer übernommen und vertreibt das System
derzeit unter dem Namen ''TeamFocus'' in den Vereinigten Staaten. Seit
September 90 ist die Version 4.0 von Group Systems erhältlich. Eine überarbeitete
Version ist für dieses Jahr vorgesehen.
Group
Systems setzt bei den gängigen Sitzungsaktivitäten an, wie zum
Beispiel dem Sammeln von Ideen und L”sungen für die Aufgabenstellung,
deren Strukturierung, dem Abwägen von Altemativen und dem Treffen von
Entscheidungen. Es soll Sitzungen beschleunigen, deren Produktivität
erhöhen und, ähnlich wie die elektronische Textverarbeitung, für eine
bekannte Aufgabe neue Möglichkeiten ihrer Bewältigung eröffnen.
Group
Systems ist derzeit in drei elektronischen Sitzungslabors an der
University of Arizona installiert, die demnächst um vier weitere ergänzt
werden. Inzwischen ist Group Systems auch im Computer Aided Team (CATeam)-Raum
an der Universität Hohenheim in deutscher Übersetzung
verfügbar. Der Hohenheimer CATeam-Raum bietet eine Sitzungsumgebung mit
Computerunterstützung für bis zu zwölf Teilnehmer. Er eignet sich
ausser für das Abhalten von computerunterstützten Sitzungen
insbesondere für die Evaluation des CATeam-Einsatzes in diesen
Sitzungen und als Demonstrations- einrichtung für die Verbreitung der
Ideen der CATeam-Forschung. Weitere 21 über die ganze Welt verteilte
Universitäten erwarben eine Lizenz der Group Systems-Software.
Ausserdem sind zwölf hauptsächlich in den USA angesiedelte Unternehmen
mit Group Systems ausgestattet. Unter den Unternehmen stellt IBM mit
bisher 36 Group Systems- Entscheidungsräumen an verschiedenen
amerikanischen Standorten, die ständig ausgebucht sind, den
Hauptanwender dar. Anfang 1992 sollen 20 weitere Einrichtungen mit Group
Systems bei IBM in Amerika hinzugekommen sein.
Systemaufbau
GroupSystems
kann Teams in Arbeits- sitzungen mit bis zu zweimal 24 Teil- nehmern mit
Hilfe von über 20 Werk- zeugen
unterstützen. Es stellt aus- schliesslich die Software- Komponente
bereit, die nur im Verbund mit den Komponenten ''elektronischer
Sitzungsraum'', der entsprechenden Hardware sowie einem ''Chauffeur''
und/oder technischen Assistenten (englisch: Facilitator)
als Koordinator der Sitzungsaktivitäten zweckmässig einsetzbar ist.
Die Rolle
des Chauffeurs kann vom Team- oder Sitzungsleiter selbst, von einem
beliebigen sonstigen Teilnehmer oder, wie es empfehlenswert
ist, von einer separaten, neutralen Person wahrgenommen werden, die
nicht Mitglied des Teams ist und die Moderation übernehmen kann, damit
die sonstigen Teilnehmer nicht mit diesen Aufgaben belastet werden. Der
Chauffeur hilft bei der Planung der Tagesordnung, aktiviert und stoppt
die Software und unterweist die Teilnehmer in allen technischen Aspekten
der Group-Systems- Nutzung. Dadurch wird die Systemkomplexität gegenüber
dem Nutzer und das erforderliche Training für die Nutzung verringert.
Bei Einsatz von Group Systems in Unternehmen mit wechselnden
Nutzergruppen übernimmt er ausserdem die Festlegung der
Rahmenbedingungen für die Nutzung, erstellt Termine, übernimmt die
Systempflege und fördert damit letztlich die erfolgreiche Technologiediffusion.
Group
Systems lässt sich in einem mit 34 Personalcomputern ausgerüsteten
Local Area Network (LAN)
einsetzen. Gängige Netzwerkbetriebssysteme wie Novell oder Token Ring
werden unterstützt. Für jeden Teilnehmer wird eine Arbeitsstation benötigt,
im allgemeinen mindestens ein Personalcomputer der AT-Klasse mit 640
KByte Hauptspeicher, Farbmonitor mit mindestens CGA- Auflösung und
Festplatte. Eine zusätzliche Arbeitsstation ist für den Sitzungsleiter
erforderlich.
Ausserdem
muss ein Server und eine für alle Sitzungsteilnehmer allgemein
sichtbare Grossbilds- chirmanzeige verfügbar sein. Diese kann von einem
etwas grösseren PC-Monitor, einem LC-Display auf Overheadprojektor oder
sogar von einem Front- oder Rücklicht- Grossbildprojektor übernommen
werden. Die Geräte sind in dem Konferenzraum bereitzustellen.
Gängig sind U-, halbkreis- oder vollkreisförmige Anordnungen der
Arbeitsplätze.
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Group Systems besteht aus flexibel in Sitzungen
miteinander kombinierbaren Werkzeugen, um den von
einem Team zur Bewältigung der unterschiedlichen Sitzungsaktivitäten
gestellten Unterstützungsanforderungen gerecht zu werden. Es
ist daher vor jeder Sitzung zu bestimmen, welche
Werkzeuge für die zu erledigenden Aufgaben genutzt werden sollen. Dabei
kann umgekehrt durch die gegebenen Eigenschaften und Möglichkeiten
der Group Systems-Werkzeuge die tatsächliche
Aufgabenstellung beeinflusst werden. Trotzdem sollte man sich zunächst
über das Ziel und die notwendigen Aufgaben relativ klar sein, damit
sich dann das passende Group Systems- Werkzeug einfacher
bestimmen lässt, mit dem sich die beste Einsatzwirkung
erzielen lässt.
Die in dem
Werkzeugkasten zur Stimmungsunterstützung zusammengefassten
Werkzeuge werden nach Basis-Werkzeugen und Zusatzwerkzeugen für fortgeschrittene
Aufgaben, welche erst in der Version Group Systems 4.0 verfügbar wurden,
unterschieden. Dabei arbeiten alle Werkzeuge der neuesten Version unter einer
standardisierten Oberfläche im 80 mal 25 Zeichenmodus, die dem Common User Access (CUA)
Standard entspricht. Ausserdem stehen noch zwei Utilities zur Verfügung.
Basiswerkzeuge
Basiswerkzeuge
waren bereits in älteren Versionen von Group Systems und in der Plexsys- Software verfügbar. Sie sind
jetzt aber überarbeitet und können nunmehr bis zu zehn aktive
Sitzungen unterscheiden.
Sitzungsmanager
(Meeting Manager) ist das Werkzeug, mit dem sämtliche anderen Werkzeuge
des Group-Systems- Werkzeugkastens vom Chauffeur
aufgerufen werden können. Von einer Auswahlzeile aus werden Pull-down-Menüs
aktiviert. Diese Menüs sind in der Auswahlzeile logisch
so angeordnet, dass sie den Chauffeur durch eine Sitzung leiten. Der
Sitzungsmanager unterstützt auch die Aktivitäten der
Sitzungsvorbereitungsphase, darunter das Festlegen des Sitzungszieles,
die Vorbereitung einer Tagesordnung, mit der die Einsatzreihenfolge der GroupSystems-Werkzeuge
bestimmt werden kann, die Erfassung der Teilnehmer und die
Systemeinstellung. m Zusammenhang mit der Sitzungsnachbearbeitung können
Ausdrucke erstellt und die
Datensicherung vorgenommen werden.
Ein
typischer Sitzungsablauf für eine Aufgabe vom Typ ''esign'', besteht
aus der Findung von Ideen
durch elektronisches Brainstorming, deren Erkennung und Zusammenfassung
mit Hilfe des Werkzeugs Ideenorganisation sowie einer
abschliessenden Bewertung durch das Bilden einer Rangordnung.
Elektronisches
Brainstorming (Electronic Brainstorming) unterstützt die Ideenfindung
in Gruppen. Die Sitzungsteilnehmer tauschen anonym
und simultan, aber mit individuellem Tempo, untereinander Ideen und Kommentare aus,
die sich auf eine bestimmte Frage oder Themenstellung beziehen. Man ist
dabei gezwungen, sich kurz zu fassen und auf den Punkt zu kommen,
da nur fünf Zeilen für die Abgabe der Idee zur Verfügung stehen. Der
Austausch der Beiträge erfolgt rechnergestützt über das Netz
nach einem Verfahren, bei dem jeweils der gerade eine neue
Idee abgebende Teilnehmer eine augenblicklich unbenutzte Ideenliste erhält,
während die Liste mit seiner hinzugefügten Idee für den
nächsten Teilnehmer zur Verfügung gestellt wird, der eine
Idee eingegeben hat.
Je nach
Einsatzbedingung kann die ständig aktualisierte Liste der fortlaufend
eingegebenen Kommentare
auf dem allgemein sichtbaren Grossbildschirm allen Sitzungsteilnehmern
angezeigt werden. Die Kommentare können mit Schlüsselwörtern
versehen werden, so dass bereits eine gewisse
Ordnung in die unstrukturiert abgegebenen Kommentare gebracht werden
kann.
Ideenorganisation
(Idea Organization,) ist ein Werkzeug zum Erkennen und einfachen Kategorisieren
von Formationen in Listenform aus anderen Group Systems-Werkzeugen oder von
ASCII-Dateien unter Stichworten oder kurzen Sätzen. Es wird im
allgemeinen zum Zusammenfassen der Ideen und Kommentare aus der
Brainstormingphase genutzt. Dabei ordnen die
Sitzungsteilnehmer zunächst jeder für sich in einem privaten Fenster
die Ideen und ommentare aus der
Referenzdatei unter Ideenkategorie-Stichworten. Die Stichworte und
Zuordnungen können sie an das Fenster öffentlicher
Stichworte abschicken. Zwischen dem öffentlichen und privaten
Bereich können die Teilnehmer wechseln und auf der Grossbilds-
chirmanzeige die bereits öffentlich
gemachten Stichworte betrachten. Üblicherweise wird zum Abschluss
gemeinsam mit dem Chauffeur die öffentliche Liste der
Ideenkategorie-Stichworte systematisch konsolidiert, das heisst,
es werden redundante Kategorien beseitigt.
Abstimmung
(Vote) unterstützt sieben verschiedene Abstimmungsmethoden: Rangfolge,
Ja/Nein, Wahr/Falsch, Pro/Contra, zehn-Punkte-Skala- oder
100 Prozent-Skala- Bewertung und Multiple Choice.
Sobald die verschiedenen Stimmen abgegeben und vom System eingesammelt
sind, lässt sich das Meinungsbild der Gruppe auf verschiedene
Art und Weise anzeigen. Eine Option erlaubt die
Anzeige der eigenen Abstimmung im Vergleich zu den statistischen
Ergebnissen der gesamten Gruppe.
Themenkommentator
(Topic Commenter) eignet sich ebenfalls für die Unterstützung der Ideenfindung,
erlaubt aber zusätzlich eine einfache Organisation schon bei der
Eingabe. Ein Kartenstapel, auf dem verschiedene
Themenkategorien zuvor eingetragen wurden, wird sowohl bei den
einzelnen Teilnehmern als auch auf dem Grossbildschirm angezeigt. Die
Teilnehmer wählen jeweils die Karte eines der Themen an,
unter dem zugeordnet sie ihren Beitrag eintragen möchten.
Die Teilnehmer können alle von anderen Teilnehmern eingegebenen
Kommentare zu allen Themen betrachten. Als Ergebnis entsteht
eine übersichtlich strukturierte Sammlung von Antworten
einer Gruppe auf eine Fragestellung. Diese Sammlung kann dann editiert
werden, zum Beispiel während einer Diskussion bei Verwendung
des Grossbildschirms. Gegenüber den Werkzeugen
Brainstorming und Ideen Organisation weist der Themenkommentator den Unterschied
auf, dass ein Ideenaustausch nur bei entsprechendem Individualverhalten
stattfindet und dass maximal 16 Kategorien erstellt werden können,
die bekannt sein müssen.
Alternativenbewertung
(Alternative Evaluation, AE) ermöglicht den Sitzungsteilnehmern, eine Reihe von
Alternativen an Hand von einer Reihe von Kriterien zu bewerten. Jeder
Teilnehmer ist aufgefordert, die Altemativen nach allen Kriterien
persönlich zu bewerten. Das Gruppenergebnis kann
wiederum auf sehr unterschiedliche Art und Weise angezeigt werden,
einschliesslich textlicher und grafischer Repräsentationen. Die
Kriterien, nicht aber der Einfluss einer bestimmten Person
auf das Ergebnis, lassen sich gewichten. Auch ''Was wäre wenn...''-Analysen
sind mit Hilfe des Werkzeugs möglich.
Leitlinien-Aufstellung
(Policy Formation, PF) ermöglicht dem Sitzungsleiter, eine Aussage zu formulieren
und den Sitzungsteilnehmern zur Überarbeitung zu übergeben. Die an den
Sitzungsleiter zurückgesandten Aussagen können
der Gruppe zur weiteren Diskussion angezeigt und dann
wieder an die einzelnen Mitglieder zur weiteren Revision übergeben
werden. Dieser Prozess des Aussageeditierens kann solange
wiederholt werden, bis die Aussage fertig ausgetüftelt
und von der ganzen Gruppe anerkannt wird. Gerade bei der Erstellung von
Leit- oder Richtlinien ist die exakte Formulierung des Textes
von Bedeutung.
Brieftaschen-Utensilien
(Brief Case,) ist ein hauptspeicher- residentes Popup-Werkzeug. Es enthält
insgesamt sieben Miniwerkzeuge. Dies sind: Dateienanzeiger (File
Reader), Notizblock (Notepad),
Clipboard, Taschenrechner (Calculator), Stimmungsbarometer (Mood Meter)
und ein Werkzeug zur Schnell-Abstimmung (Quick Vote)
nach den Verfahren Rangfolge, Multiple Choice oder Ja/Nein.
Dr. Helmut Krcmar ist am Institut
für Betriebswirtschaftslehre, Universität Hohenheim, tätig. |
Empirische
Ergebnisse mit Group Systems
Es liegen
bereits eine Reihe nützlicher Befunde über Erfahrungen beim Einsatz
von Computern in Sitzungen vor, vor allem aus Amerika. Trotz recht
unterschiedlicher Randbedingungen der Untersuchungen
und Funktionen der eingesetzten Systeme bestätigt sich dabei, dass sich
durch eine Sitzungsunterstützung mit elektronischen
Medien Veränderungen beim Sitzungsprozess und in den Ergebnissen
ergeben. a die Erkenntnisse der (Klein) Gruppenforschung bei den veränderten
Randbedingungen auf computerunterstützte
Sitzungen nur mit Vorbehalten anwendbar sind, empfiehlt
es sich, genauer zu betrachten, warum sich die Veränderungen ergeben
und in welcher Weise die unterschiedlichen Randbeding- ungen
darauf Einfluss nehmen.
Vereinfacht dargestellt liegt
der empirischen Forschung mit Group Systems die aus der Theorie abgeleitete
Überlegung zugrunde, dass die Charakteristiken der Situation, in der
die Teamarbeit stattfindet, die Veränderungen sowohl im
Gruppenarbeitsprozess als auch bei dessen Ergebnis auslouml;
sen.
Verbesserungen der
Produktivität von Sitzungen
Nach dem
Untersuchungsmodell wird die Bewertung der Effektivität, der Effizienz,
der Zufriedenheit,
der Partizipationsmöglichkeit und des Konsens beim Ablauf und Ergebnis
von Sitzungen
auf die gegebenen Randbedingungen zurück- zuführen sein und damit
letztlich das Urteil über die
Produktivität von Sitzungen beeinflussen. Der Sitzungsprozess kann
dabei bessere Ergebnisse
fördern (Prozessgewinne) oder verhindern (Prozessverluste). Die Wirkung
der Randbedingungen
auf die Produktivität entfaltet sich dabei im Laufe des
Sitzungsprozesses, in dem mit
ihnen auf den Umfang der Prozessunterstützung, auf die Prozessstruktur,
auf den Umfang der inhaltlichen
Unterstützung bei der Bewältigung der Aufgabe und auf die Aufgabenstruktur Einfluss genommen
wird. Prozessunterstützungsumfang, Prozessstruktur, inhaltlicher Unterstützungsumfang und
Aufgabenstruktur rufen damit schliesslich die Prozessgewinne oder Prozessverluste
hervor.
Die
Prozessunterstützung ist durch alle Hilfsmittel gegeben, die die
Kommunikation unter den Sitzungsteilnehmern
unterstützen, und zwar unabhängig davon, ob dies durch Einsatz elektronischer
oder sonstiger Hilfsmittel geschieht. Zeitliche und personelle
Verteilung der Kommunikation
machen die Prozessstruktur aus, die sich in der Tagesordnung oder in der Anwendung
bestimmter Verfahrensabläufe niederschlägt. Die inhaltliche Aufgaben-
unterstützung wird von
Hilfsmitteln wie zum Beispiel Datenbanken, Modellen und so weiter
wahrgenommen.
Die
Aufgabenstruktur bestimmt im Sitzungsprozess die Techniken oder Regeln,
wie die Analyse aufgabenbezogener
Informationen zu vollziehen ist.
Zu den
bedeutendsten Prozessgewinnen bei der Teamarbeit zählen die Verwendung
einer breiteren
Informationsbasis, die Nutzung von Synergie, objektivere Urteile, grössere
Motivation durch
gegenseitige Stimulanz sowie eine Erleichterung beim Lernen durch eine
gegenseitige Unterstützung
der Teilnehmer.
Prozessverluste
können sicher auftreten durch die Redezeitaufsplitterung, Dominanz
einzelner Teammitglieder,
Konformitätsdruck, Befangen-heit aufgrund einer Furcht der negativen Bewertung
der eigenen Beiträge, Mitläufertum, Beteiligungshemmnisse aufgrund von Kon-zentrations
schwächen, der Überbeanspruchung der Aufmerksamkeit oder Relevanzminderung
des eigenen Beitrags im Laufe der Zeit, Informationsüberlastung, Erinnerungsprobleme,
Koordinationsprobleme, unvollständige Informationsauswertung und durch eine
unvollständige Aufgabenanalyse.
Die genannten Aspekte zeigten sich in
den bisherigen Untersuchungen als relevant, ohne dass damit
Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird. Mit dem Einsatz der
Computertechnologie in Sitzungen
kann aber das ursprüngliche Verhältnis der Prozessgewinne und -verluste
beeinflusst werden.
Erste Erfahrungen mit
GroupSystems im CATeam
Aus
Deutschland liegen noch wenige Erfahrungen über den Computereinsatz in
Sitzungen vor, es wurden
allerdings bereits Computerkonferenzen mit der herkömmlichen
Kommunikation verglichen. Seit die neue Group
Systems 4.0-Version in der deutsch übersetzten Version im Hohenheimer
CATeam-Raum eingesetzt wird, konnten Einsatzerfahrungen in bisher über
15 Group Systems-Sitzungen mit insgesamt
¨ber 100 Teilnehmern (ohne Facilitator) von der Universität
Hohenheim und in zwei Sitzungen mit Teilnehmergruppen aus Grosskonzernen gesammelt
werden. Die Teamgrösse betrug 2, 4, 6, 8 oder 12 Teilnehmer. Behandelt
wurden von den Teamsjeweils Fragestellungen vom
bereits erwähnten Typ ''Design'' (Brainstorming, Ideenerkennung
und -zusammenfassung, Rangordnungsabstimmung). Weitere Sitzungen wurden zum
Vergleich ohne Group Systems-Nutzung ebenfalls zu der ''Design''-Thematik
durchgeführt. Dabei war den Teams die Bearbeitung
der Aufgabe völlig freigestellt, oder sie gingen vorstrukturiert
an die Arbeit.
Die
Teilnehmer wurden durch Fragebogen und Einzelinterviews über die
Sitzung und zu Group Systems
befragt. Ausserdem wurden die Sitzungen über Video aufgezeichnet und
die Interaktion der Teilnehmer über Group Systems vom
System protokolliert.
Aus den
bisherigen Sitzungen lässt sich erkennen, dass die Sitzungsteilnehmer
in ihrer ersten
Sitzung einen hohen Erklärungsbedarf bezüglich Group
Systems haben, der über die Anweisungen
und Erläuterungen, die laut Handbuch vom Sitzungsleiter an die
Teilnehmer gegeben werden sollen,
hinausgeht. Das Einweisungs- material für die Sitzungsteil- nehmer
wurde deshalb stark ergänzt. Vor
der eigentlichen Sitzung wird ausserdem an einem Beispiel kurz die Bedienung eingeübt und somit die
Voraussetzung für effektivere Sitzungen geschaffen. Veränderungen im Sitzungs- prozess
und -ergebnis stellten sich wie in Amerika auch in den Hohenheimer Sitzungen ein.
Als grössten
Vorteil von Group Systems bei ihrer Sitzungsarbeit empfanden die
Teilnehmer die Möglichkeit
der parallelen Individualarbeit und die Begleitung durch den Chauffeur.
Dieses Urteil wird bekräftigt bei der Betrachtung
der insgesamt von den Teams je Minute und je Teilnehmer erzeugten
Idee. Sie war bei den Group-Systems-Nutzem am grössten, ohne dass es
grosse inhaltliche Überschneidungen gab. Die
strukturiert, aber ohne Group Systems vorgehenden Teams erzeugten etwas
weniger Ideen. Es waren aber immer noch mehr Ideen als bei den Sitzungen, in denen die Teilnehmer
nacheinander ihre Ideen äusserten und behandelten. Nützlich wurde
auch die verbesserte Visualisierung und Protokollierung von den
Sitzungsteilnehmern empfunden, wofür die Grossbilds-
chirmanzeige mitverantwortlich ist, auf der man in den einzelnen Sitzungsphasen
sehen kann, was jemand vorher während des Brainstormings geäussert
hatte, welche Ideen bisher erkannt wurden und
wie die Teammeinung zu den Ideen aussieht.
Perspektiven für den
Einsatz
Eine Ablösung
von Group Systems durch neue Systeme mit erweiterten Fähigkeiten bei flexiblerer Einsetzbarkeit und
einfacherer Erlern- und Bedien- barkeit ist vorauszusehen. Aber auch Group
Systems kann sich noch weiterentwickeln. So befindet sich heute bereits
eine Version mit einer objektorien- tierten Oberfläche
und für die zeitlich und örtlich verteilte Sitzungsarbeit in der Entwicklung,
bei der das Hinzuschalten eines Videokonferenz-Kanals Berück-
sichtigung finden kann. Das Potential zur Verbesserung
von Sitzungen mit Hilfe von Group Systems und den Konzepten
von CATeam wird sich voraussichtlich in einem künftig verstärkten
Einbezug des Computers in Sitzungen niederschlagen.
Henrik Lewe ist Diplomwirtschafts-
Ingenieur, M. S., an der University of Arizona. |